Zeig es uns noch einmal, LeBron!

„Nichts“

LeBron schüttelte mit dem Kopf und begann zu lächeln, bevor er seine Antwort auf die Frage, was bei ihm Druck auslöse, wiederholte.

„Nichts“.


Selbstbewusst saß er auf dem Podium, reagierte gewohnt cool auf die Fragen der Reporter. Der Media Day 2018 der Lakers war der Beginn einer enttäuschenden Saison, die ihr Ende mit dem Verpassen der Playoffs nahm. Ein Jahr zum Vergessen, auch für den King. Die Verletzung im Christmas Game gegen die Warriors zwang ihn 6 lange Wochen zum Zuschauen, nach der Rückkehr war er nicht wieder der alte. Der groß angekündigte Playoffs-Modus wurde nie in die Tat umgesetzt.

Während Spieler wie Giannis Antetokounmpo, James Harden und Kawhi Leonard groß aufspielten, konnte man leicht vergessen, wie gut der „Auserwählte“ bis vor seiner Verletzung gespielt hat. Zweifel an seiner zukünftigen Leistungsfähigkeit gesellten sich zu den bereits vorhandenen Zweifeln über seinen sportlichen Ehrgeiz im jetzigen Stadium seiner Karriere.

Videos von Szenen, in denen der Small Forward teilweise überhaupt kein Interesse an Defense hatte gingen viral, James wirkte immer wieder frustriert und schlichtweg unzufrieden, sei es mit der Leistung seiner Kollegen, oder seiner eigenen.

Der verzweifelte Versuch von Klutch Sports, mit James und Davis ihre beiden Stars in der Stadt der Engel zu vereinen, zerstörte Anfang Februar die komplette Chemie im Team, machte aber auch deutlich, wie James sich seine letzten Jahre vorstellte, bzw. mit wem am seiner Seite.

„Dont’t talk about it, be about it“

Beim Media Day der Lakers vor wenigen Wochen sah man einen anderen LeBron. Man sah einen deutlich wärmeren, aber auch motivierteren Spieler. Der Fokus des Mannes, der sich letzte Saison noch wortlos in die Sommerpause verabschiedete, war spürbar. Er war ernst, zeigte aber auch, wie glücklich er ist, ein Laker zu sein. Glücklich, dass die Anthony Davis-Ära endlich beginnt, mit einem anderen Team, anderen Coaches, anderer Erwartungshaltung und einem anderen LeBron James.

Zum ersten Mal seit seinem Titel mit den Cavs in 2016 spielt er bei einem Team, das eine echte Chance auf den Titel hat. Zum ersten Mal in seiner Karriere hat er einen Mitspieler, der ihm den Titel als „besten Spieler im Team“ streitig machen kann. Anthony Davis ist der vielleicht talentierteste Kollege, mit dem James in seiner Karriere auf dem Court stand. Wenn man das beste Duo der Liga hat, kann es nur ein Ziel geben: Die Meisterschaft. Um das zu realisieren brauchen die Lakers einen LeBron in Top-Form, der in den Playoffs besser als alle anderen spielen kann. Der Grundstein wurde gelegt. 

Zum ersten Mal in seiner Karriere hat er einen Mitspieler, der ihm den Titel als „besten Spieler im Team“ streitig machen kann.

Es beginnt zu aller erst bei ihm selbst. James hört die Kritiker und Zweifler. Nachdem er über Jahre hinweg universell als bester Basketballer der Welt anerkannt wurde, teilweise sogar in einer Liga für sich alleine spielte, scheinen diese Ansicht mittlerweile nicht mehr so viele Leute zu teilen.

Das liegt zum einen natürlich an Spielern wie eben Giannis und Kawhi, das Verpassen der Playoffs in der letzten Saison wird ihm allerdings auch -verständlicherweise- negativ angerechnet. Schließlich waren es Jahr für Jahr die Playoffs, in denen James und sein gefürchteter Playoffs-Modus für Angst und Schrecken gesorgt haben.

Er habe jedes einzelne Spiel der Post-Season gesehen, kein einziges verpasst. Noch lieber hätte er aber gespielt, und James brennt darauf, zurückzukehren. Die Motivation ist da.

James ist in fantastischer physischer Verfassung, stellte das während der Saison-Vorbereitung der Lakers beeindruckend zur Schau.

LeBron James geht ausgeruhter denn je in die neue Saison. 8 Jahre in Folge spielte er bis tief in den Juni hinein, so etwas hinterlässt Spuren. In diesem Jahr dann eine ganz andere Geschichte, über ein halbes Jahr trennten sein letztes Spiel der Regular Season vom ersten der neuen Pre-Season.

James ist in fantastischer physischer Verfassung, stellte das während der Saison-Vorbereitung der Lakers beeindruckend zur Schau. Er ist wieder explosiv, schnell und weiterhin unfassbar stark. Konditionell ist er zum jetzigen Zeitpunkt der Saison auf einem ganz anderen Level als im selben Zeitraum in den letzten Jahren, sichtbar insbesondere am defensiven Ende.

Ein neues Team

James ist mittlerweile in einem Stadium in seiner Karriere angelangt, in dem er mehr denn je abhängig von seinen Mitspielern ist. Die alten Miami-Tage, in denen er wann er wollte, gegen wen er wollte zum Korb ziehen konnte, liegen weit in der Vergangenheit. Er ist nicht mehr der überathletische Superman, der alleine mit Power und Athletik dominieren konnte. James braucht die richtige Art Mitspieler, die den Floor auseinander ziehen, ihm Platz für seine immer noch gefürchteten Drives ermöglichen.

Diese Art von Kollegen hatte er in der letzten Saison nicht, und es machte sich bemerkbar. Die Lakers lernten aus ihren Fehlern des Sommers von 2018. Man verpflichtete Spieler, die mit James harmonieren, die seinen Job, das Team anzuführen, einfacher machen. An der Seite eines Spielers wie Anthony Davis zu spielen ändert natürlich auch eine ganze Menge. Gegnerische Defenses werden sich den Luxus, ihre komplette Aufmerksamkeit dem Small Forward zu schenken, nicht mehr erlauben können. Genau so wenig werden sie damit davon kommen, wenn sie es doch mal machen. James wird sich offensiv Pausen gönnen können, an Abenden an denen AD heiß ist. Ihm wird in diesem Bereich eine Menge Last abgenommen werden, während ihm in anderen eine Menge aufgedrückt wird.

James darf sich nicht verletzen, er darf zu keiner Zeit den Fuß vom Gaß nehmen, ansonsten hat man bei den Lakers ein Problem.

Das Roster der Lakers ist alles andere als perfekt, das Team hat große Defizite in Sachen Passing, Playmaking und Ballhandling. Man hat keinen Point Guard auf echtem Starter-Level, keine überdurchschnittlich guten Playmaker abseits von James und Davis. Es fehlt an Spielern, die konstant auf einem hohen Level Plays nicht nur für sich selber, sondern auch für andere kreieren können. Allerdings möchte man auch nicht, dass LeBron, vor allem schon während der Regular Season, jedes Play einleitet, jedes mal den Ball vorträgt und zu viele offensive Aufgaben übernimmt. Er wird es allerdings müssen, wenn der Kader so bleibt. James darf sich nicht verletzen, er darf zu keiner Zeit den Fuß vom Gaß nehmen, ansonsten hat man bei den Lakers ein Problem.

Das Warten hat (fast) ein Ende.

LeBron James ist auf einer Mission, mit einem festen Ziel vor Augen. Es dreht sich alles um die Nummer 17. Der siebzehnte Titel für die Lakers, im siebzehnten Jahr seiner Karriere. Es geht darum den Leuten zu beweisen, wem der Thron gehört, und zwar nicht nur mit dem Team, sondern auch individuell. Die Vorraussetzungen sind da. Er hat seinen Megastar neben sich, genug Shooting im Team, und das alles in einer Saison, die so unvorhersehbar wie lange nicht scheint. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, lassen sich mit Headband und Chalk Toss die Geister der so erfolgreichen Vergangenheit herauf beschwören.

Zeig es uns noch einmal, LeBron!

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