Spielerprofil: Collin Sexton 2018/19

Lesezeit: 6 Minuten

Mit dem berühmten 8. Pick im NBA Draft 2018 entschieden sich die Cleveland Cavaliers für Collin Sexton, einem jungen Point Guard der University of Alabama.

Als „Young Bull“ bekannt, soll er in Cleveland nach dem Abgang von LeBron James der erste Schritt in eine bessere Zukunft sein.

Wie schlägt er sich in seiner ersten Saison, was sind seine Stärken und Schwächen, und wie genau sieht sein Game aus?

Wenn Point Guards frisch in die NBA kommen, sieht man eine Sache häufig: Sie haben Probleme. Vor allem dann, wenn sie sofort den Großteil der Playmaking Aufgaben ihres Teams übernehmen sollen. Auch in der Defensive lässt sich das beobachten, dort haben kleinere Guards oft Schwierigkeiten, einen positiven Einfluss zu nehmen.

Collin Sexton ist ein weiteres Beispiel dafür. In seinen bisherigen 66 Spielen für die Cavs macht er das Team eher schlechter als besser, eine Tatsache, mit der man allerdings rechnen musste.

Er legt im Schnitt 15.2 Punkte, 3 Rebounds und 2.9 Assists in 30.6 Minuten pro Spiel auf.

Schauen wir uns zuerst mal seine Offense ein bisschen genauer an, und da muss man sich zunächst eine Frage stellen: Worin ist Collin richtig gut, welcher Skill wird ihn später mal auszeichnen, welche Fähigkeit entscheidet mal, wie gut er werden kann.

Sofort wird das große Problem deutlich: Collin Sexton besitzt keinen elitären Skill, und leider auch nicht das Potential, mal einen zu entwickeln.

Er ist kein athletischer Point Guard wie Russel Westbrook, kein überragender Playmaker wie Chris Paul, kein Shooter wie Steph Curry und kein Ballhandler wie Kyrie Irving.

Ihm fehlt diese eine Stärke (bzw. auch die Ansätze dafür), die ihn auszeichnet.

Zuerst sein Scoring, das sich mit einem Wort beschreiben lässt: Ineffizient. 

Seine True Shooting Quote liegt bisher bei grauenhaften 49.3%, seine eFG% liegt bei 44.9%.

29% seiner Wurfversuche nimmt er in der Restricted Area, und verwandelt diese bei einer Quote von 51.1%. Dabei fehlt ihm das Gefühl, wann er zur Zone ziehen soll und wann nicht. Oft rennt er einfach ohne Sinn und Verstand zum Korb, und versucht Würfe zu treffen, die niemand treffen würde.

Insgesamt waren nur 44.4% seiner Zonenversuche erfolgreich, womit er in diesem Bereich absolut unterirdisch ist. Er muss nicht nur an seiner Technik arbeiten, sondern auch an seinem IQ, wenn es darum geht, wann er driven sollte, wann werfen und wann passen. 

Vor allem seine Versuche zwischen 3-10 ft sind oft nur Verzweiflungswürfe, von denen nur 31.2% fallen. Von Würfen dieser Art darf er einfach nicht so viele nehmen.

Kommen wir zur Mitteldistanz, und auch dort sieht es nicht viel besser aus. Aus der Entfernung zwischen 10 ft und der Dreierlinie nimmt er 40% seiner Versuche, und schließt diese zu 36.4% erfolgreich ab. Dabei erarbeitet er sich den Großteil seiner Würfe selber. Aufgrund seiner Körpergröße von „nur“ 1.88 Meter fällt es ihm schwer, aus der Mitteldistanz über seine Gegenspieler drüber zu werfen. Trotzdem stellt das einen großen Teil seines offensiven Repertoires dar, leider noch ohne den ganz großen Erfolg. Er lässt seine Stärken immer mal kurz aufblitzen, ist aber noch zu inkonstant. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass er mal ein ordentlicher Mitteldistanzwerfer werden kann.

Erfreulicher hingegen wird es, wenn man den Blick auf seine Dreier richtet. 38.8% bei fast 3 Versuchen pro Spiel, damit haben wohl die wenigsten gerechnet. Er steht bei 76 Dreiern in dieser Saison, hat damit Kyries Rekord für die meisten erfolgreichen Dreier als Cavs Rookie gebrochen.40% bei Above The Break Dreiern ist ein toller Wert, wobei er zwei Drittel seiner Treffer von dort aufgelegt bekommt. 

Aus den beiden Ecken kann er noch nicht wirklich Gefahr ausstrahlen, allerdings nimmt er auch nur ganz selten ein Wurf von dort. Spacing bringt er den Cavs aber trotzdem kaum, da sein Dreiervolumen zu niedrig ist.

Sein Isolation Game lässt ebenfalls zu wünschen übrig. 0.71 PPP (27.3 Percantile) stehen zu Buche, kein guter Wert.

Er geht pro Spiel 3 mal an die Freiwurflinie, und verwandelt dort gute 83.1% seiner Versuche.

Fazit: Seine Scoring Fähigkeiten sind bisher leider eine Enttäuschung. Er ist ein unterdurchschnittlicher Finisher, selbst für einen Rookie. Er zeigt Ansätze aus der Mitteldistanz, nimmt aber auch von dort oft schlechte Würfe mit geringer Erfolgschance. Der Wurf von Downtown fällt besser als erwartet, allerdings ist hier das Volumen nicht sehr hoch. Eines der größten Probleme ist und bleibt das Treffen von richtigen Entscheidungen.

Weiter geht es mit dem Playmaking, einer weiteren großen Schwäche des Point Guards. 2.9 APG stehen 2.3 Turnover pro Spiel gegenüber. Seine Assistsquote liegt bei 15.5%, womit er in dieser Kategorie zu den schlechtesten Aufbauspielern der NBA gehört. Für einen primären Ballhandler ist das ein unterirdischer Wert, zumal er 30 Minuten pro Spiel auf dem Court steht. Er kommt auf 4.7 Assists pro 100 Ballbesitze, nicht gut. Außerdem sieht man es kaum, dass er einen wirklich schwierigen Pass zu einem Mitspieler bringt. Weak Side Pässe sind eine Seltenheit, ebenso Assists, nachdem er Hilfe erzwungen hat. Spektakuläre Pässe findet man bei ihm so gut wie nie.

Ich habe starke Zweifel, dass er mal ein Point Guard wird, der eine Offense führen und freie Würfe für seine Kollegen erspielen und finden kann.

Positiv ist, dass er Ballverluste weites gehend vermeiden kann. Seine TOV% liegt bei 12.8%, ungefähr Ligadurchschnitt. Das ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen, hat aber auch ein Problem.

Viele junge Point Guards werden zu deutlich besseren Spielern, wenn sie im Laufe der Zeit immer weniger den Ball verlieren. Das ist für sie ein guter Weg, um sich zu verbessern. Da Sexton schon gut ist in diesem Bereich, fehlt ihm diese Chance, zumal er im Moment trotzdem ein schlechter NBA Spieler ist.

Auch an seinen offensiven On/Off Stats lässt sich sein negativer Einfluss erkennen. Cleveland ist ohne ihn effizienter, hat eine höhere AST% und ein höheres ORTg (109.4 zu 106.7).

Sein individuelles ORTg steht bei 97, und sowohl die OWR, als auch das OBPM sind negativ.

Er hat einen sehr weiten Weg zu gehen. Es startet alles damit, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wann ziehe ich den Korb, wann spiele ich isoliert, wann werfe ich, wann sind die Kollegen frei. Steigert er sich dort, und davon gehe ich aus, kann er seine physischen Attribute (vor allem seine Athletik) zu seinem Vorteil nutzen.

Ebenfalls sollte es helfen, irgendwann bei einem guten Team zu spielen, dass Spiele gewinnen möchte.

Schauen wir jetzt auf seine Defense. Collin Sexton gehört zu den schlechtesten Point Guard Verteidigern der NBA. Sein DRPM von -4.26 ist das zweit schlechteste unter allen PGs der Liga. Sein DPIPM (-3.0) ist unter allen PGs sogar auf dem letzten Platz. Er holt keine Steals (0.9 Steals pro 100 Poss.) und keine Blocks (0.1 Blocks pro 100 Poss). Er ist ein mieser On Ball Verteidiger, und nutzlos als Help Defender. Er hat nicht die Länge, um viele Würfe gut zu verteidigen.

Der Einsatz ist da, er zeigt immer häufiger, dass er will, aber die Technik ist grauenhaft.

Natürlich wird er sich steigern, beispielsweise wenn er kräftiger und erfahrener wird. Ob er allerdings jemals ein auch nur durchschnittlicher Point Guard Verteidiger wird, steht noch in den Sternen.

Gegner werfen mit Sexton auf dem Court deutlich effizienter (57.2 eFG% zu 53.3 eFG%) und haben ein höheres ORTg (120.4 zu 113.0) als mit ihm auf der Bank.

Rookie Point Guards sind oft schwache Verteidiger, Sexton allerdings ist ein grauenhafter Verteidiger.

Das Problem ist, man kann bei Point Guards mit schlechter Defense leben, wenn die Offense sehr gut ist. Bei Sexton sehe ich das allerdings überhaupt nicht.

Es ist schwer vorstellbar, dass er später einmal in der Lage sein wird, auf einem hohen NBA Niveau Würfe für sich und seine Mitspieler zu kreieren, dazu kommt dann auch noch, dass er eine defensive Schwachstelle ist.

Ihn daher als Bust abzustempeln ist deutlich zu früh, und darauf möchte ich auch überhaupt nicht hinaus, allerdings sind die ersten 5 Monate seiner Karriere etwas beunruhigend.

Wer einen zukünftigen Elite Point Guard und All Star Level Spieler erwartet hat, der ist wahrscheinlich enttäuscht. Die Frage ist, ob er der startende Mann auf der 1 für ein Playoffs Team sein kann, und dahinter steht im Moment noch ein großes Fragezeichen.

Ich halte es für realistisch, dass seine Zukunft als Backup Point Guard liegt, der dir ein paar gute Minuten mit der 2nd Unit geben kann, aber auch einige Zeit zusammen mit dem startenden Point Guard des Teams spielt.

Dan Gilbert hatte große Hoffnungen auf diesen Pick, den man von den Boston Celtics als Teil des Irving Deals erhalten hatte. Er war nicht bereit, ihn zur Deadline 2018 zu traden. Ob er damit den Cavs Point Guard der Zukunft gezogen hat, darf allerdings stark bezweifelt werden.

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