Ein guter Anführer zu sein ist schwer.

Kyrie Irving ist ein außergewöhnlich guter Basketballspieler. Es gibt keinen besseren Ballhandler, und kaum einen so clutchen Playoffs- Performer wie Uncle Drew. Er ist einer der begabtesten Scorer und Finisher der NBA. Der 26- jährige legt derzeit in seiner zweiten Saison mit den Celtics 23.7 Punkte, 4.6 Rebounds und 6.9 Assists pro Spiel auf.

Er ist der unumstritten beste Spieler in Boston, ebenso wie der Anführer der Truppe. Aber ein außergewöhnlicher Spieler ist nicht gleich ein außergewöhnlicher Anführer, oder ein guter. Oder überhaupt ein Anführer. Es braucht mehr als das.


https://lemigliorifoto.eu/the-latest-milwaukee-bucks-news-sportspyder.html#forward

Kyrie Irving lernt genau das jetzt gerade in Boston. Er ist der erfahrene Spieler, er hat den Ring, und er ist der Typ, auf den die jüngeren Mitspieler hören. Das ist es, was Kyrie wollte, als er die Cavs im Sommer 2017 um einen Trade bat. Sein eigenes Team, ein Team, in dem er der wichtigste Mann ist, der Superstar. Raus aus dem Schatten von James, der egal wo er ist, alles und jeden in den Schatten stellt, nur durch seine bloße Anwesenheit. Kyrie empfand es damals als den richtigen Schritt in seiner Karriere, und genau das war es wahrscheinlich auch.

In Boston ist er in einer nahezu perfekten Situation. Er ist der Franchise- Spieler, sein Team besteht aus Stars,  erfahrenen guten Mitspielern und jungen, vielversprechenden Talenten. Der Coach gehört zu den besten auf seinem Gebiet, ebenso wie der GM. Und um das ganze noch zu krönen, spielt er in einer legendären Sportstadt für das erfolgreichste NBA Team aller Zeiten. Damn!

Das ist eine ganz andere Situation, als die in Cleveland. Dort war er der junge talentierte Star, und James der Franchise Spieler. LeBron war derjenige, der dafür zuständig war, das Team anzuführen. Dabei kam häufig seine passiv- aggressive Art zum Vorschein, egal ob das Kommentare zu den Medien oder Tweets auf den sozialen Netzwerken waren. Auch das war einer der Gründe, warum Kyrie raus aus Cleveland wollte (weitere Infos zu Kyrie’s Trade gibt es in meinem Artikel „Ein König für die Stadt der Engel“).


https://www.goldenstateofmind.com/2017/7/21/16013212/kyrie-irving-demands-trade-cavaliers-golden-state-warriors-nba-finals-flat-earth

Doch ganz so grün wie die Celtics- Jerseys ist das Gras in Boston auch nicht, zumindest nicht, wenn man genauer hinschaut. Im letzten Jahr war man 2 mal 48 Minuten von einem Trip zu den NBA Finals entfernt, und das komplett ohne den „Anführer“ Irving, der in Game 7 nicht mal auf der Bank saß.

Spieler wie Tatum, Brown und Rozier trumpften auf, und zeigten ihr großes Potential.

In dieser Saison laufen die C’s ihren hohen Erwartungen noch ein bisschen hinterher. Sie sind derzeit auf Platz 4 im Osten, und spielen nicht konstant. Mal besiegt man richtig guteTeams, mal verliert man gegen die schlechtesten der Liga. Gordon Hayward sieht im Moment nicht mal im Ansatz wie der Spieler aus Utah- Zeiten aus, Jaylen Brown und Terry Rozier können ebenfalls noch nicht an ihre Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen.

Anfang des Monats gab es dann eine erste Kostprobe von Kyrie’s Meinung zu den Celtics Problemen, als er sagte, dass die fehlende Erfahrung der jungen Spieler einer der Gründe für die inkonstante Saison von Boston sei. Jaylen Brown erwiderte dazu ein paar Tage später, dass das ganze Team, jeder einzelne verantwortlich ist, von oben nach unten.

Kommt einem das bekannt vor? Ein Superstar, der in den Medien etwas über junge, unerfahrene Spieler sagt, um dem Team zu helfen.

Kyrie ist in LeBron’s Situation, jetzt gerade. Und jetzt gerade erkennt er, dass das Ganze nicht so einfach zu handhaben ist, wie er vorher gedacht hat.

Nachdem Boston am 12. Januar gegen Orlando verloren hatte, war es für KI an der Zeit, einen Anruf zu tätigen.

LeBron James, ein paar seiner Business Partner und Kevin Love waren zusammen essen, in einer Pizzeria in Los Angeles, nachdem Cavs und Lakers gegeneinander gespielt hatten. LeBron sah auf sein Handy, und zeigte es den anderen.

„Ich frage mich, was er will“, sagte er, und rief Irving später am Abend zurück.

“Ich musste LeBron anrufen und mich bei ihm entschuldigen, weil ich dieser junge Spieler war, der alles auf einmal haben wollte. Ich wollte derjenige sein, der uns zu einer Championship führt. Ich wolle der Leader sein. Ich wollte all das sein.“

Kyrie Irving

LeBron war sehr dankbar für diesen Anruf, heißt es. Vermutlich haben beide noch über andere Themen gesprochen, ob dieses Geheimnis allerdings jemals gelüftet wird, bleibt abzuwarten.

Kyrie weiß heute etwas, was er damals an LeBron’s Seite noch nicht wusste. Es braucht mehr als nur außergewöhnliche Basketball Skills, um der Anführer einer NBA Truppe zu sein.


https://ftw.usatoday.com/2018/11/lebron-james-kyrie-irving-trade-cleveland-cavaliers-celtics-lakers

Man hätte den Inhalt des Gespräches auch für sich behalten können, Kyrie hatte allerdings andere Pläne. Er sah es als notwendig an, den Medien davon zu erzählen.

Warum? Ganz einfach, um seinen Teamkollegen ein bisschen verschleiert zu sagen, dass sie genau so sind, wie er es früher war, und dass das nicht der richtige Weg ist.

Irving hat anscheinend das Gefühl, dass Spieler wie Tatum, Brown und Rozier solche Spieler sind, die alles sofort haben wollen, und die denken sie wüssten, wie man einen Ring holt. Damit hat er ein Problem, und ganz im Stiele von James, durch passiv- aggressive Kommentare in der Öffentlichkeit, teilt er es seinen Kollegen mit.


https://www.youtube.com/watch?v=rEZsbEV418Y

Im Gegensatz zu Lebron’s Kollegen haben Kyrie’s Mitspieler schon gezeigt, dass sie auch ohne ihn ziemlich erfolgreichen Basketball spielen können. Die Rede ist von den Playoffs 2018, in denen das Team ohne ihre 2 besten Spieler in den Eastern Conference Finals zwischenzeitlich mit 3-2 gegen Cleveland vorne war. Da ist es natürlich verständlich, wenn bei einigen der jungen Spieler das Gefühl da ist, dass sie ebenfalls anführen können, und bereit sind, das Team zum Titel zu tragen.

Kyrie sieht das anscheinend etwas anders, seiner Meinung nach fehlt es dem Team an Erfahrung, und viele der Spieler wissen nicht, was es wirklich braucht, um ein Team zur Meisterschaft zu führen

Uncle Drew ist ganz klar unzufrieden mit der Situation in Boston, was auch seine neuesten Kommentare rund um seine bevorstehende Free Agency deutlich machen. Noch vor ein paar Monaten sagte er, dass wenn Boston ihn will, er bleiben wird, später dann sogar, dass er seine Nummer unter dem Hallendach der Celtics hängen haben möchte, zurückgezogen für zukünftige Generationen. Ein paar Monate später hört sich das alles allerdings ein bisschen anders an.

” Fragt mich das am 1. Juli nochmal. Ich schulde niemanden irgendetwas.”

Kyrie Irving

Nicht unbedingt Worte, welche man als Celtics Fan und vor allem in der Front Office gerne hört.

Was Kyrie an besagtem 1. Juli, dem Tag, an dem NBA Teams anfangen dürfen mit Free Agents zu verhandeln, machen wird, darüber kann man nur spekulieren.

Er könnte bei den Celtics verlängern, zum Star der Knicks werden, oder es kommt zu einer Wiedervereinigung mit LeBron James bei den Lakers. Auch die Brooklyn Nets und Los Angeles Clippers werden interessiert sein.

Wofür sich der junge Anführer der Celtics auch entscheidet, es wird große Auswirkungen auf die Zukunft der NBA- Landschaft haben.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.